Thüringer Wald: hier entdecken Sie Thüringen

Wegeverlauf

Und der Mythos lebt...

Ja, inzwischen kennen ihn unzählige Füße: den Rennsteig. Gibt es den Kammweg quer durch den Thüringer Wald länger als 700 Jahre. Viele kamen wegen des Geschäftes, aus militärischen Gründen, um Abenteuer zu erleben oder Natur zugenießen. 1830 soll’s gewesen sein, als ein Mann erstmals die gesamte Länge abwanderte. Knapp 44 Stunden war dieser gewisse Julius Plänckner unterwegs. Und der 168,3 Kilometer lange Mythos Rennsteig ward geboren.

Doch erst 1843 schlug Ludwig Bechstein vor, den Rennsteig in fünf Tagen zu erwandern. Später wurde er meist in sechs Etappen aufgeteilt. Hier im Internet in zehn Wegabschnitte.

Und auch heute lebt der Mythos: Er ist noch immer einer der beliebtesten Wanderwege Deutschlands. Der historische Pfad schlängelt sich zwischen Hörschel bei Eisenach an der Werra und Blankenstein an der Saale bis in den Frankenwald. Wer sich auf die abwechslungsreiche Tour begibt, sollte vorbereitet sein: Die Mittelgebirgslandschaft erfordert mancherorts gute Beine, ordentlich Puste und möglichst wetterfeste Kleidung. Er führt über Waldwege, Sand, Schotter und wenige Asphaltpassagen. Bei allen Anstrengungen sollte man ein Auge für die Landschaft haben. Also, nicht mit Julius Plänckner Schritt halten und in nur fünf Etappen den Rennsteig ablaufen. Dann bliebe Vieles am Wegesrand unentdeckt: beispielsweise wenn sich zwischen den Bäumen eine Lichtung auftut…

Den alten Grenzweg neu entdeckt

Dunkle Fichten stehen wie Wächter entlang der schmalen Pfade, große Laubbäume verschränken ihre Äste zu hell-grünen Gewölben sobald die Straßen nur ein wenig enger werden. Die Oberflächen der Seen und Talsperren sind glatt wie Glas und durchsichtig wie Luft. Dazwischen weisen große und kleine, weiße und graue, verwitterte und umwachsene Grenzsteine den Weg …

Die 13 Dreiherrensteine und 789 Grenzsteine erinnern an vergangene Herrschaftszeiten. Natürlich sind sie wertvolle historische Zeugen und kunstgeschichtlich beachtenswerte Denkmäler. Die ältesten wurden im 16. Jahrhundert gesetzt, die jüngsten im 19., einige sogar noch nach der Jahrhundertwende. Die ältesten noch zu bewundernden Grenzsteine sind von 1572. Ein besonders schönes und noch älteres Exemplar ist der sogenannte Kurfürstenstein bei Brennersgrün an der einstigen sächsisch-bambergischen Grenze von 1513.

Eine Fülle an Eindrücken und Ereignissen

Die eigentliche Bedeutung des Namens Rennsteig – sich schnell bewegen – sollten Wanderer heutzutage nicht so hoch schätzen. Denn ursprünglich war er ein alter Handelsweg, der wichtige Städte und Orte – vor allem für eilige Boten – miteinander verband. Doch heutzutage will der Kammweg erlebt werden: Dafür belohnt er den Verweilenden mit einer Fülle an Eindrücken: Wald gekrönte Höhen und Täler, steile Hänge, unvergessliche Aussichten auf Städte, Dörfer, Burgen und Schlösser, die längste Loipe der Welt, den längsten Höhenradwanderweg Europas, dem alljährlichen GutsMuths-Rennsteiglauf, Europas größtem Crosslauf. Auch Goethe kam hierher. Als Bergbau-Ingenieur. War dabei aber wenig erfolgreich. Dann entdeckte er die wahren Schätze des Mittelgebirges – wie die Wanderer, die ihr Glück auf und abseits des Rennsteigs suchen: auf dem Goethewanderweg, dem Gipfelwanderweg, dem Saale-Orla-Wanderweg...

Und dazwischen stehen sie, die Zeugen der dynastischen Zerrissenheit, die Zeugen der bewegten Zeit: die immer anders aussehenden Grenzsteine.

So muss man für den Kammweg mehr als 44 Stunden einplanen, um Landschaft, Kultur und Service zu genießen. Rennsteig-Pionier Plänckner hätte Verständnis. Bestimmt! Unser Vorschlag: acht Etappen – hier ausführlich beschrieben. Sie finden detaillierte Informationen zum gesamten Rennsteig: Sehenswürdigkeiten entlang von acht Streckenabschnitten samt Kartengrundlage.

Acht Rennsteigetappen

Etappe 1: Hörschel bis Hohe Sonne, Streckenlänge - 14,6 km
Etappe 2: Hohe Sonne bis Grenzwiese, Streckenlänge - 19,3 km
Etappe 3: Grenzwiese bis Grenzadler - 27,5 km
Etappe 4: Grenzadler bis Allzunah - 19,8 km
Etappe 5: Allzunah bis Friedrichshöhe - 24,2 km
Etappe 6: Friedrichshöhe bis Spechtsbrunn - 23,3 km
Etappe 7: Spechtsbrunn bis Brennersgrün - 19,0 km 
Etappe 8: Brennersgrün bis Blankenstein - 20,6 km