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Naturparadiese auf alten Schieferhalden

Rundwanderung zwischen Lehesten, Steinbach an der Haide und Schmiedebach

Das Grüne Band verbindet auf der “Steinernen Heide” – dem Höhenrücken nördlich des Rennsteigs zwischen dem Loquitz- und dem Sormitztal – ein Naturschutzgebiet mit einem Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Gebiet im Bereich der ehemaligen Schiefergruben. Die stillgelegten Steinbrüche, Stollen und Schächte sowie die Halden sind ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten (siehe dazu auch Tour 6 ab Seite 38).

Wir beginnen unsere Wanderung an der Kirche, in deren Vorraum sich die größte jemals in einem Stück gehauene Schiefertafel befindet. Sie ist 3,08 Meter lang und 2,53 Meter breit. Durch die Kirchgasse und auf dem Zinkenweg gelangen wir zur Lehestener Dachdeckerschule. Wer dort werktags vorbeigeht, sollte sich die Zeit nehmen für eine Besichtigung der bunten, kreativen Schieferfassaden und der kleinen Modellhäuser auf dem Schulhof.

Die Übersichtskarte können Sie hier aufrufen: "Naturparadiese auf alten Schieferhalden"

Streckenbeschreibung:

Ausgangspunkt:
Lehesten, Platz an der Kirche, ÖPNV-Verbindung mit Regionalzügen nach Wurzbach und Linienbussen weiter nach Lehesten, oder ab Steinbach an der Haide oder ab Schmiedebach.

Streckenlänge: 14 Kilometer
Höhenlagen:  460 bis 680 Meter über NN, Höhendifferenz bergauf 447 Meter.
Wegebeschaffenheit: Überwiegend auf gut begehbaren Forst- oder Asphaltwegen, ein Kilometer auf dem Betonplatten-Kolonnenweg.

Wegemarkierungen: Bergbau-Symbol “Schlägel und Eisen”, gelber Balken, grüner Balken und Mantelburgweg mit der blauen “12”. Achtung: Ein kurzer Straßenabschnitt im Nordosten ohne Markierung.


Nordwestlich der Dachdeckerschule folgen wir dem gelb markierten Weg, der durch eine kleine Allee führt. Wir überqueren die Straße und folgen dem gelben Balken noch weitere 500 Meter. Am Osthang des Lehestener Berges, auf dem ein alter Wachturm der DDR-Grenztruppen steht, verlassen wir den gelb markierten Rundweg und folgen geradeaus den grünen Markierungen. Auf diesem Weg, der abwechselnd durch offene Fluren und durch Fichtenwälder führt, überqueren wir die Landesgrenze und gelangen geradeaus zur Straße nach Steinbach an der Haide. Dort folgen wir der blauen “12” ins nahe gelegene Dorf.

Die Bürger von Steinbach an der Haide haben durch ihren großen Einsatz im Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden” 1967 und 1975 jeweils die Goldmedaille auf Bundesebene errungen. Wie in Lehesten und Schmiedebach ergänzen sich die kunstvollen Schieferfassaden zu einem harmonischen Ortsbild.

Historische Info:

Die Lehestener Dachschiefer-Lagerstätte wurde beiderseits der Stadt abgebaut: Im Südwesten fand zunächst Tagebau in den “Herzoglichen Brüchen” statt, die man im Volksmund auch “Herrschaftsbruch” nannte. Nach der Gründung Thüringens im Jahr 1920 sprach man nur noch vom “Staatsbruch”. Der übertägige Schieferabbau südwestlich von Lehesten wurde bereits 1973 eingestellt. 1999 endete der untertägige Abbau, weil die wirtschaftlich verwertbaren Lagerstättenteile erschöpft waren. Im ehemaligen Tagebau neben der Schachtanlage bildete sich ein über zehn Hektar großer See (siehe dazu Tour 6 ab Seite 38).
Im Nordosten von Lehesten leitete eine erfolgreiche Unternehmerfamilie den Schieferabbau. Ernst Oertel hatte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Schieferbrüche bei Schmiedebach erworben. 1864 trat sein Sohn Karl Oertel das Erbe an, der weitere Brüche erwarb und diese zum größten Schiefertagebau des europäischen Festlands zusammenführte. In der Blütezeit waren bis zu 1000 Arbeiter aus Thüringen und Franken im Oertelsbruch beschäftigt. In den 1960er Jahren endete hier der über- und untertägige Abbau. Anfang der 1990er Jahre wurde der Bruch bei Schmiedebach erneut in Betrieb genommen, in dem man bis Januar 2009 über Tage Dach- und Plattenschiefer abbaute.


In Steinbach halten wir uns in der Ortsmitte rechts (in Richtung Lichtentanne) und folgen am Ortsende links der Straße zur Landesgrenze, die für Autos gesperrt ist. Hier hat der Bund Naturschutz Grundstücke im bayerischen Teil des Steinbachgrundes entlang des Grünen Bandes erworben, um die wertvollen Feuchtwiesen zu erhalten und die standortfremden Fichtenbestände in Laubwälder und Brachflächen umzuwandeln. Damit wurde dieser Abschnitt des Grünen Bandes ökologisch noch wertvoller.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Steinbachtals erreichen wir den Kolonnenweg, auf dem wir dem Bergbau-Symbol “Schlägel und Eisen” nach rechts folgen. Eine Reihe von Info-Tafeln erläutern am Schieferberg die ökologische Bedeutung der ehemaligen Bergbau-Gebiete. Die Tagebaue und Schieferhalden zählen zu den wertvollsten Flechtenstandorten Thüringens, was die Artenvielfalt und flächenhafte Verbreitung anbelangt. Auch andere seltene Arten haben hier einen wertvollen Lebensraum, wie Moose, Pilze, Reptilien, Schmetterlinge, Wildbienen und Spinnen.

Tipp:

Die Gedenkstätte an das KZ-Außenlager “Laura” befindet sich im ehemaligen Häftlingsgebäude. Die Ausstellung dokumentiert das Leid der Zwangsarbeiter, von denen viele ums Leben kamen. Die Gedenkstätte ist von April bis September dienstags bis sonntags sowie feiertags von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet, für Schulklassen nach Voranmeldung unter Telefon 036653-26113 auch vormittags ab 10 Uhr.

Bei der Wanderung auf dem Kolonnenweg gelangen wir zu einem eisernen Tor, das als “Agentenschleuse” bezeichnet wird. Dieses auffällige Tor im Metallgitterzaun war jedoch nur ein Ablenkungsmanöver. Die DDR schleuste ihre Agenten in Wirklichkeit an anderen Stellen in den Westen, die nicht so offensichtlich waren.

Das Bergbau-Symbol leitet uns an der Rehbachhalde vorbei zur Straße nach Schmiedebach. Wir erreichen das Dorf im Nordwesten, wo sich die Zufahrt zur Mahn- und Gedenkstätte an das Außenlager “Laura” des Konzentrationslagers Buchenwald befindet.  

Über 2500 Häftlinge aus zehn Nationen mussten hier ab September 1943 unter menschenunwürdigen Bedingungen über und unter Tage Zwangsarbeit verrichten. In der Abgeschiedenheit des Thüringer Schiefergebirges ließen die Nazis im Oertelsbruch die geheimen V2-Raketen testen.  

Wir wandern auf der Ortsstraße durch Schmiedebach und folgen am unteren Dorfende den Bergbau-Symbolen des Schieferpfades, auf dem wir zurück nach Lehesten gelangen. Wer die Rundwanderung verlängern möchte, kann im Zentrum der alten Schieferbergbaustadt den markierten historisch-architektonischen Ortsrundgang unternehmen. Dabei lernt man die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Naturprodukt Schiefer kennen.