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Ein Festival im Zeichen der Stadtpfeiferei

BACH-FESTIVAL-ARNSTADT 2020 | 19. bis 22. März

Kaum ein anderer Ort in Thüringen ist musikalisch so stark durch eine Familie geprägt worden, wie Arnstadt. Über ein ganzes Jahrhundert hinweg wirkten Mitglieder der Familie Bach in unterschiedlichsten Ämtern – als Stadtpfeifer, gräfliche Hofmusiker, Komponisten, Instrumentenbauer und Türmer. Der berühmteste Vertreter unter ihnen, Johann Sebastian Bach, verbrachte hier seine jungen und zuweilen wilden Jahre. Dieses immense kulturelle Erbe wird gefeiert! 

Vom 19. bis 22. März lädt der Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt zur bereits 16. Auflage des Bach-Festival-Arnstadt ein. Das Besondere in diesem Jahr:

Erstmalig steht das Festival im Zeichen eines Themas.

So wird 2020 insbesondere die Bachsche Tradition der Stadtpfeifer beleuchtet. Insgesamt sind mehr als 25 Veranstaltungen für Gäste jeden Alters innerhalb der vier Festivaltage geplant. Ein Markenzeichen, dem man sich in Arnstadt treu bleibt: Ein facettenreiches Programm, das unterschiedliche Originalschauplätze einbezieht und eine Annäherung an Bach auf teils ungewöhnliche Weise bietet.

Geboten werden unter anderem:

  • hochkarätige Konzerte
  • szenische Stadtrundgänge
  • kulinarische Zeitreisen
  • ein Musical
  • Kinderkonzerte

sowie eine Wanderung und Rundfahrt durch die Orgellandschaft der Umgebung angeboten.

Die Stadtpfeifer im Mittelpunkt des 16. Bach-Festivals in Arnstadt

In Arnstadt wirkten Mitglieder der Bachfamilie über vier Generationen hinweg als Stadtpfeifer. Zum diesjährigen Bach-Festival haben Besucher Gelegenheit, mehr über diese spannende Tradition zu erfahren. Dafür wurden die Opus Klassik-Gewinner Capella de la Torre (20.03.), das Thüringer Bach Collegium (21.03.) und das Blechbläserensemble Ludwig Güttler (22.03.) gewonnen, deren Programme sich musikalisch mit der Tradition des Stadtpfeiferamtes beschäftigen.

Stadtpfeifer, die sich in Zünften organisierten, waren im Dienste der Stadt wirkende Instrumentalmusiker. Sie begleiteten städtische Festlichkeiten, unterstützten aber auch Musiker am Hofe und wurden zur Kirchenmusik herangezogen, um Gottesdienste mitzugestalten. Das Stadtpfeiferamt hielt sich in Mitteldeutschland bis ins 20. Jahrhundert hinein – oft gingen daraus städtische Kapellen oder gar Orchester hervor.

Den Besuchern des Festivals wird der Rundgang „Die Stadtpfeifer der Bachfamilie“ empfohlen (20.03., 15.00 Uhr). Dabei wird von Caspar Bach berichtet, seinerzeit Stadtpfeifer und Türmer. Er lebte mit Frau und sieben Kindern im noch heute erhaltenen Neideckturm. Zum Ende des Rundgangs ist ein Blick in den Turm und sogar der Aufstieg möglich, um einen fantastischen Rundblick über die Dächer der Stadt genießen zu können.

Thüringer Bach Kollegium (Foto: Jan Kobel)

Konzertanter Hörgenuss an Originalschauplätzen

„Echte Stadtpfeifer“, so titelt das große Eröffnungskonzert des diesjährigen Festivals in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche (20.03., 19.30 Uhr). Die Opus Klassik-Gewinner Capella de la Torre präsentieren Werke unter anderem von Heinrich Scheidemann, Baltasar Resinarius und Niccolo Piffaro. In das Programm fließt „Florilegium portense“ mit ein – Bach selbst hat diese Sammlung oft genutzt und als Thomaskantor daraus gespielt.

Capella de la Torre zählt zu den weltweit führenden Ensembles für Bläsermusik der frühen Neuzeit. Der Name „de la Torre“ bedeutet übersetzt „vom Turm herab“: Bläsergruppen musizierten in vergangenen Jahrhunderten bei den verschiedensten Gelegenheiten auf Türmen und Balkonen – so auch Mitglieder der Familie Bach in Arnstadt.

Einen etwas anderen, insbesondere humorvollen Blick wirft Felix Reuter auf Johann Sebastian Bach zur Matinee im Rathaussaal (21.03., 10.30 Uhr). In seinem Showkonzert „Der verflixte Bach“ deckt er auf:

  • Welche Besonderheit an der berühmten Toccata in d-Moll gibt den Musikwissenschaftlern heute noch Rätsel auf?
  • Was wurde von Bachs musikalischem Schaffen gnadenlos geklaut?
  • Welche Werke sind daraus entstanden?
  • Was wäre passiert, hätten sich Beethoven und Bach gekannt?

Die große musikalische Ehrung anlässlich des 335. Geburtstages von Johann Sebastian Bach folgt am gleichen Abend in der Bachkirche am Markt: Das Thüringer Bach Collegium, der Bachchor Arnstadt sowie Sibylla Rubens, Ann Juliette Schindewolf und Florian Sievers präsentieren Bach-Kantaten und das Brandenburgische Konzert (21.03., 19.30 Uhr). Geleitet wird das Ensemble von Gernot Süßmuth, dem Nachfolger Johann Sebastian Bachs als Konzertmeister der Staatskapelle Weimar. Eine Besonderheit des Ensembles: Das Thüringer Bach Collegium spielt auf wertvollen historischen, rund 300 Jahre alten Streichinstrumenten. Sie sind also schon zu Lebzeiten Johann Sebastian Bachs gespielt und gehört worden.

Im Anschluss an das „Geburtstagskonzert“ erfolgt eine kurze Bachehrung mit dem Thüringer Bach Collegium am berühmten Denkmal auf dem Marktplatz. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt: Das Abschlusskonzert des Festivals mit dem Blechbläserensemble Ludwig Güttler (22.03., 17.00 Uhr). Unter dem Titel „Virtuoses für Blechbläser“ erklingen in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche unter anderem Werke von Henry Purcell, Gottfried August Homilius, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach. Das international gefragte Ensemble vereinigt Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, des Gewandhausorchesters Leipzig und der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz.

Die Königin der Instrumente: Orgel-Highlights 

Wer in Arnstadt auf den Spuren Bachs wandelt, kommt um sie nicht drum herum: Die Wender-Orgel in der Bachkirche. Erbaut von Johann Friedrich Wender, wurde sie 1703 vom damals gerade mal 18-jährigen Johann Sebastian Bach geprüft und abgenommen. Kantor Jörg Reddin wird die Königin der Instrumente gebührend zu Gehör bringen – zum geistlichen Orgelkurzkonzert „15 Minuten Bach“ (19.03., 20.03., 21.03., jeweils um 12.00 Uhr), als auch zum musikalischen Gottesdienst mit Orgel und Gesang von David Pérez Anido, Bariton (22.03., 10.00 Uhr).

„Poesie an der Orgel“ lautet der Titel des vielversprechenden Konzertes mit Ann-Helena Schlüter, die in der legendären Traukirche Bachs Erklärungen zur Kunst der Fuge und zum Wohltemperierten Klavier I zum Besten geben wird (21.03., 17.00 Uhr). Die schwedisch-deutsche Pianistin, Organistin und Komponistin gewann bereits unzählige Wettbewerbe und wird als Ausnahmetalent gefeiert. Vor dem Orgelkonzert in der Dornheimer Kirche St. Bartholomäi haben Besucher die Möglichkeit, direkt nebenan im Bachstübchen an „Bachs Geburtstagstafel“ bei Kaffee und Kuchen Platz zu nehmen.

Eine geführte Rundfahrt in die Orgellandschaft der Umgebung ist auch in diesem Jahr wieder Teil des Festivalprogramms. Unter der Bezeichnung „Dem Klang auf der Spur“ führt der Tagesausflug unter Leitung des Kirchenmusikers Jens Goldhardt nach Gotha und Mühlberg (Route: (Gotha Margarethenkirche, Augustinerkirche, Schlosskirche; Mühlberg St. Lukas Kirche). Das Ganztagesprogramm versteht sich inklusive Orgelbesichtigungen, Klangproben, Imbiss und Kaffeegedeck (22.03., ab 10.30 Uhr).
 

Musical: „BACH – Der Rebell“

Jeder kennt ihn als großes Musikgenie, doch Bach verlebte zuweilen eine recht wilde Zeit in Thüringen. Ein unterhaltsames Abendprogramm über Johann Sebastian Bachs stürmische Jugend in Arnstadt bietet das Musical „BACH – der Rebell“ im Theater im Schlossgarten (21.03., 19.30 Uhr). Bachs starker Wille und letztlich eine handfeste Prügelei bringen ihn immer wieder auf die Anklagebank des Kirchengerichtes.

Aber Bach löst auch diese Negativserie auf seine Art: Er sattelt um von Kirchen- auf Hofmusik und zieht nach Weimar. Neben dem Studium der Orgel nehmen zwei Frauen im Leben des Musikers Raum ein und sorgen immer wieder für romantische, aber auch streitbare Stunden. – Dramatik und Spannung zwischen Orgel, Pflicht und Rebellion sind Inhalt dieses Musicals.

Bachkirche in Arnstadt (Foto: RVTW)

Vorträge und Stadtführungen 

„Die verwitwete Frau Capellmeisterin Bach – Skizzen eines neuen Bildes“ titelt der musikalische Vortrag im Bachhaus Arnstadt (19.03., 19.00 Uhr). Das Publikum kann sich auf neueste Forschungsberichte freuen – und auf ein Zusammenspiel zwischen Dr. Eberhard Spree und Kantor Jörg Reddin.Der Vortrag wird musikalisch mit Werken aus dem Notenbüchlein begleitet.

Ebenso ein gemischtes Doppel bietet die Stadt- und Kuratorenführung „Bach draußen und drinnen“, bei der ein erfahrener Gästeführer auf Bachs Spuren durch Arnstadt führt und im Anschluss Dr. Benedikt Schubert zu einer Kuratorenführung und -gespräch in die neue Bachausstellung einlädt (21.03., 13.00 Uhr).

„Spaziergang mit Maria Barbara“ lautet eine geführte Wanderung von Arnstadt nach Dornheim – genau jene Strecke, die einst die Hochzeitsgesellschaft zurücklegte, als sich Johann Sebastian Bach und seine Angebetete das Ja-Wort gaben. Auf dem Weg dorthin berichtet Maria Barbara allerlei Geschichten über das junge Brautpaar und plaudert aus dem Nähkästchen (21. März, 14.30 Uhr).

Kunst und Glockenspiel

Am 21. und 22. März, jeweils zwischen 11.00 und 17.00 Uhr, findet ein Kunsthandwerker- und Ostermarkt statt. Das historische Renaissance-Rathaus ist ein repräsentativer Ort für das Markttreiben und gleichzeitig ein zentraler Ort mitten im Geschehen des Bach-Festivals. Rund 25 Künstler und Kunsthandwerker aus Thüringen, Hessen, Bayern und Berlin präsentieren ihre Arbeiten aus Werkstätten und Ateliers. Die Palette reicht von Malerei, Grafik, Seifen, Filz- und Wollartikeln, Patchworkarbeiten, Glas- und Holzgestaltung bis hin zur Papierkunst. Ein weiteres Schmankerl während des Festivals: Ein Glockenspielkonzert mit Werken von J. S. Bach und Bearbeitungen von Alwin Friedel KMD i. R., welches vom historischen Jacobsturm erklingen wird. Der Turm ist einer von noch wenigen erhaltenen Stadttortürmen Arnstadts.