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Traditionelles Köhler- und Schwämmklopferfest vom 13. bis 15. Juli 2018 in Neustadt am Rennsteig

05.07.2018

Neustädter Schwämmklopfer

Neustadt am Rennsteig lädt in jedem Jahr zu seinem Köhler- und Schwämmklopferfest ein. Spätestens bei diesem Fest klärt sich für jeden Besucher die bekannte Redewendung auf: "Es brennt wie Zunder".

Das Köhler- und Schwämmklopferfest ist eine Reminiszenz an die zwei wichtigsten historischen Erwerbszweige, mit denen die früheren Generationen im Ort ihren Lebensunterhalt verdienten.

Aus der Geschichte

Die Holzköhlerei ist eines der ältesten Gewerke in Neustadt am Rennsteig. Dessen einst weit verbreitetes Vorkommen ist daran zu erkennen, dass um den Ort hunderte ehemalige Meilerplätze vorzufinden sind. Nachdem Heinrich Beetz die Köhlerei an Gerhard Mordhorst weitergegeben hatte, meilerte dieser weiter. Heute ist die Köhlerei "Am Ochsenbach" die einzige noch in Betrieb befindliche Köhlerei im Ilm-Kreis und am Rennsteig und wird von der Familie Stärker aus Möhrenbach betrieben.

Ab zirka 1700 trug die Zunderschwammherstellung maßgeblich zum Lebensunterhalt der Menschen bei. Zur "Ernte" des Zunderschwamms zogen die Neustädter mit kleinen Wagen in die Buchenwälder. Im Gepäck hatten sie leere Leinensäcke, Proviant und scharfe Messer. Der echte Zunderschwamm ist ein grauer, gedungener, hufförmiger Pilz. Er kann einen Durchmesser bis 40 cm erreichen und wächst ganzjährig an Buchen. Die Tagesausbeute der "Schwammmacher" betrug etwa einen halben Zentner.

Zu Hause angekommen, wurde der Rohschwamm in heißer Asche gegoren. Die faustgroßen Schwämme wurden in Salpeter gekocht, mit scharfen Messern in 3 cm dicke Scheiben geschnitten und getrocknet. Mit hölzernen Hämmern wurde die Masse auf einem Amboss bis auf das Zehnfache ihrer ursprünglichen Fläche geklopft. Die Lappen wurden noch einmal in Asche eingeweicht, danach getrocknet und mit den Händen weichgerieben.

Die "Lunte" war fertig und fortan unentbehrlich im Haushalt. Um den Zunder zu entfachen, wurden Feuerstein oder Feuerstahl gebraucht. Neustadts gleichmäßig brauner Zunder war begehrt. Heute würde man ihn als "Exportschlager" bezeichnen. Denn sogar die Engländer zündeten ihre "Shagpfeifen" mit hiesigem "German tinder" an. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Zunderfertigung im Ort den Höhepunkt.

Doch als die Phosphorzündhölzer die Lunte ersetzten, schlief die Aufbereitung des Feuerschwammes ein. Die "Schwammmacher" standen vor dem Ruin. Weil sich indes so manch Genießer seine Sumatra, Brasil oder Havanna auch weiter lieber mit dem wohlriechenden Schwamm anzünden wollte, wurden einige Zundermacher im Ort animiert, zum Schwammklopfen zurückzukehren. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stellten die letzten Schwammklopfer Schmuckschwamm her.

Programm

  • Freitag 13.07.2018 
    • 18:00 Uhr Einlass Gemeindezentrum
    • 19:30 Uhr Eröffnung 18. Köhler- und Schwammklopferfest
    • 20:00 Uhr Theaterstück (Eintritt frei)
  • Samstag 14.07.2018
    • ab 14:00 Uhr Familiennachmittag und Gokartrennen, Blasmusik
    • 15:00 Uhr Programm der Rennsteigzwerge
    • 15-17:00 Uhr Annahme der Baumschwämme
    • 15-17:00 Uhr Rennsteigmuseum geöffnet mit verschiedenen Sonderausstellungen
    • 15:30 Uhr Spielstraße für die ganze Familie
    • 17:30 Uhr Siegerehrung Gokartrennen
    • 20:00 Uhr Tanzmusik für jung und alt
  • Sonntag 15.07.2018
    • 10-18:00 Uhr Händler-, Kram- und Trödlermarkt, Präsentation Zunderschwammherstellung und Holzköhlerei
    • 10-18:00 Uhr Rennsteigmuseum geöffnet mit verschiedenen Sonderausstellungen
    • ab 11:30 Uhr Mittagessen im Gemeindezentrum: Thüringer Klöße mit Köhlerbraten
    • 13-18:00 Uhr Blasmusik im Park
    • 15:00 Uhr Prämierung der Baumschwämme  

Änderungen aus organisatorischen oder witterungsbedingten Gründen vorbehalten.

Kontakt

Interessengemeinschaft Köhler- und Schwämmklopferfest
Bürgermeister Dirk Macheleidt
Rennsteigstraße 46
98701 Neustadt am Rennsteig 
Tel. 036781 / 237 78
info@neustadtamrennsteig.de
info@schwaemmklopferfest.de
www.schwaemmklopferfest.de