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14. Mitteldeutscher Omnibustag am 7. und 8. November 2018 in Gera

08.11.2018

Unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten" findet bereits zum 14. Mal der "Mitteldeutsche Omnibustag" statt. Am 7. und 8. November 2018 treffen sich in Gera private und kommunale Busunternehmer aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Die Mobilitätsexperten diskutieren im Rahmen der Tagung über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven für Nahverkehr und Bustouristik.​

Der ÖPNV ist ein wesentliches Element der Daseinsfürsorge und kann Problemlöser für viele gesellschaftliche Fragen sein. Die Verkehrswende ist in aller Munde. Im Vordergrund aller politischen Bemühungen sollten das reibungslose Funktionieren, angemessene sozial verträgliche Tarife, angebotsorientierte Linien und das Bewahren einer vielfältigen Unternehmenslandschaft stehen.

Die 135 privaten und kommunalen Thüringer Omnibusunternehmen sind gespannt auf die Zukunft. "Wir mittelständischen Familienunternehmen und auch die kommunalen Kollegen sehen uns als Mobilitätsdienstleister im Rahmen der Daseinsfürsorge. Das ist ein hoher Anspruch, denn die Branche ist im Wandel. Verkehrswende, Energiewende, Digitalisierung und die demografische Entwicklung – alles müssen wir unter einen Hut bringen. Fast nebenbei müssen wir auch den laufenden Betrieb aufrechterhalten. Dabei können wir auf den öffentlichen Auftrag und die Aufgabenträger bauen. Aber wir sind vorrangig direkt abhängig von Zuwendungen der öffentlichen Hand", umfasst Mario König, Vorsitzender des Verbandes, die vielfältigen Aufgaben eines Omnibusunternehmens.

Der Verband fordert die Landesregierung und die Aufgabenträger auf, eine Langfriststrategie zu entwickeln, um die absehbar enorme finanzielle Belastung bei der seitens der EU geforderten Umstellung des ÖPNV auf alternative Energieträger ab 2025 finanzieren zu können. "Der Omnibus ist im Laufe der 125-jährigen Geschichte immer Motor für innovative Lösungen gewesen. Alternative Energien sind bereits in der Praxis ausgiebig eingesetzt gewesen. Wir haben damit viel Erfahrung. Es ist also weniger die Frage der Fahrzeugtechnik zu lösen, sondern die Frage der Energieversorgung, der Speicherung und deren Verteilung. Ebenso muss geklärt werden, wie die notwendigen enormen Investitionen rechtssicher unter Wettbewerbsbedingungen getätigt werden können." betont Tilman Wagenknecht, Geschäftsführer des Verbandes. Bis 2030 müssen 2.000 Linienbusse in Thüringen ausgetauscht und auf alternative Energieträger umgestellt werden.

Neben den Investitionen ist die sichere Finanzierung der Überlandbusse wichtig. "Im Flächenland Thüringen, wo 75% der Einwohner in der Region leben, sind mehr Verbindungen, mehr Linien und Bedienungen notwendig. Diese müssen vorfinanziert werden. Wir haben daher einen Vorschlag für verbesserte Landesbuslinien unterbreitet." unterstreicht Wagenknecht die Notwendigkeit, mehr Geld in Linienverbindungen zu investieren.

Der Vorschlag sieht vor, die landesbedeutsamen Buslinien in weiteren Qualitätsstufen soweit zu finanzieren, dass tatsächlich neue Überlandlinien entstehen, die eine Verbindungsqualität wie Eisenbahnen besitzen. "Wir wollen das Konzept "PlusBus" und "TaktBus" endlich in Thüringen etablieren. Sachsen und Sachsen-Anhalt machen es vor. Die Nachbarn investieren wesentlich mehr in die Überlandlinien, da hat Thüringen Nachholbedarf", so Wagenknecht.

Zur grundlegenden Finanzierung des ÖPNV kommen in Thüringen ausschließlich Bundesmittel, sogenannte Regionalisierungsmittel, zum Einsatz. Diese werden bis 2030 nicht mehr steigen, während in westlichen Bundesländern diese Mittel im Schnitt mit 4% jährlich dynamisiert werden. In Thüringen klafft im Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von mind. 60 Mio. €, welche durch Landesmittel geschlossen werden muss.

Geht es nach dem Willen des EU-Parlamentes, so wird ab 2020 eine Maut für Busse in Deutschland vorgeschrieben. Die Maut wird ein durchschnittliches Reisebusunternehmen mit 70.000 € jährlich belasten. Einen Lenkungseffekt für mehr ökologische Antriebe oder für mehr Sicherheit ist dabei nicht zu erkennen. "Der Bus als ohnehin schon sicherstes und sauberstes Straßenverkehrsmittel soll zur Kasse gebeten werden. Reisen und Fernlinienverkehre werden teurer, ohne dass unsere Kunden – Schüler, Studenten, Familien, Ältere und Geringverdiener - davon irgendeinen Vorteil besitzen." beklagt Mario König, Vorsitzender des Verbandes die absehbar große Belastung der Branche.

Der Arbeitskräftemangel ist auch im Thüringer Omnibusverkehr akut. Der Beruf des Omnibusfahrers ist attraktiv und die Branche bietet gute Rahmenbedingungen. Dennoch müsse viel Fantasie aufgewendet werden, um ausreichend Fahrernachwuchs zu beschaffen. Der Verband hat durch die letzte Erhöhung im Tariflohn mit Hessen und Bayern gleichgezogen. "Wir sind attraktive Arbeitgeber und bieten gute Arbeitsbedingungen. Unsere Unternehmen bieten sichere Arbeitsplätze und eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Besonders Frauen sind uns sehr willkommen, denn wir verstehen uns als Dienstleister und haben in den Familienunternehmen ein gutes Arbeitsklima", wirbt Mario König für eine Tätigkeit in den Thüringer Omnibusunternehmen.

Statistik für den Personenverkehr in Thüringen (Jahresleistungen)

  • 135 Unternehmen, davon 108 in privatem Eigentum
  • 2,3 Mio. Beförderte im Reise- und Ausflugsverkehr mit Omnibussen
  • 160 Mio. Beförderte im Linienverkehr, davon ca. 60% mit dem Omnibus
  • 2.250 Omnibusse, davon 90% im Liniennahverkehr eingesetzt und 1.844 Stück in Landkreisen
  • 4.500 Beschäftigte in den Straßenbahn- und Busunternehmen, davon ca. 1.250 in privaten Unternehmen
  • 22.500 km Linienlänge Bus-Nahverkehr, davon 7.400 durch private Unternehmen
  • Mittlere Kostensteigerung pro Jahr 3 - 5%, (i. d. R. das Doppelte der Inflationsrate)
  • langfristige Kostensteigerung für Dieselkraftstoff pro Jahr ca. 10%
  • Jährliche Fahrtariferhöhungen ca. 10%
  • ÖPNV-Ticketpreise stiegen im Schnitt der letzten 15 Jahre um den dreifachen Wert (75%) der Inflationsrate (25%)

Kontakt

Verband Mitteldeutscher Omnibusunternehmer e.V.
Steigerstraße 8
99096 Erfurt
Tel. 0361 / 222 75 28
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