Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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Reformation im Brennglas

Juwel unter der Renaissance-Schlössern

Hoch über dem mittelalterlichen Stadtkern thront das im 16. Jahrhundert erbaute vierflügelige Renaissanceschloss des Landgrafen Wilhelms IV. von Hessen-Kassel. Das Schloss Wilhelmsburg besticht durch manieristische Wand- und Deckenmalereien, prachtvolle Sandsteinportale, Treppentürme, einem kunstvollen Terrassengarten und einer lichtdurchfluteten Schlosskirche mit einer der ältesten noch bespielbaren Holzpfeifenorgeln. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern, die im Laufe der Geschichte immer wieder nach dem neuesten Baugeschmack der jeweiligen Zeit umgebaut wurden, ist Schloss Wilhelmsburg nahezu unverändert in seiner Substanz der Renaissance-Zeit erhalten geblieben.

 

 

Schmalkalden im Fokus Europäischer Politik

Um 1530 war Schmalkalden im gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in aller Munde. Mit der Gründung des Schmalkaldischen Bunds begann die Kirchenspaltung in Europa. Das Verteidigungsbündnis evangelischer Fürsten und Städte hatte sich als Antwort auf die rigide Religionspolitik Kaiser Karl V. gebildet. Der erste Konvent fand zur Jahreswende 1530/31 auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden statt. 

Die Tagungen mit Fürstentümern aus ganz Europa waren ein Großereignis und hatten auch unmittelbaren Einfluss auf das Alltagsleben der Bürger. Als Reaktion auf die „losen“ Sitten in der Stadt wurden schließlich verschiedene Verbote eingeführt:
 

Schloss Wilhelmsburg | © Dominik Ketz

„Tänze der Braumeister und Brauknechte mit Bratwürsten im Brauhaus verboten!“
oder
"Herumwerfen, Herumtanzen und Schubsen beim Hochzeitstanz verboten! Bei Verstoß; sieben Gnacken Strafe und eine Nacht im Turm.“

Blick von Schloss Wilhelmsburg auf Schmalkalden | © Paul Hentschel Photography

 

Martin Luthers Schmalkaldische Artikel

Der Schmalkaldische Bund tagte achtmal in dem mittelalterlichen Städtchen. Spätgotische Gebäude wie das Rathaus oder die Stadtkirche, die Reformierte Schule und das Evangelische Dekanat zeugen bis heute davon. Auf dem „Fürstentag“ von 1537 mit Fürsten, Grafen, Kaiser- und Papstgesandten und zahlreichen Theologen aus aller Welt veröffentlichte Martin Luther seine Schmalkaldischen Artikel, das Glaubensbekenntnis der evangelisch-lutherischen Kirche. Während seines Aufenthalts predigte er in der Stadtkirche und residierte in einem 1520 erbauten Fachwerkhaus, indem man heute übernachten kann – dem Lutherhaus.

 

Einblicke in die Geschichte und überraschende Anekdoten mit dem Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann auf dem 𝗜𝗻𝘀𝘁𝗮𝗴𝗿𝗮𝗺-𝗞𝗮𝗻𝗮𝗹 des Museums Schloss Wilhelmsburg

 

Multimediale Ausstellung im Schloss

Dauerausstellung Schmalkaldischer Bund im Schloss Wilhelmsburg | © Paul Hentschel Photography

Wie in einem Brennglas bündeln sich die verschiedenen Aspekte der Reformation in der Dauerausstellung im Untergeschoss von Schloss Wilhelmsburg. In einem großen begehbaren Stadtmodell führt Prinzessin Elisabeth von Rochlitz (1502–1557), die einzige Frau im Bunde, durch die multimediale Ausstellung. Auf großformatigen Bildschirmen nimmt sie die Besucher mit auf eine Reise voller schicksalhafter Wendungen in der Geschichte des Bündnisses. Die in den kreativen Kulissen versteckten Medienstationen mit kleinen Videoclips vermitteln vor allem der jüngeren Generation ein lebendiges Bild der Epoche. Zahlreiche Dauerleihgaben aus nahezu allen ehemaligen Mitgliedsständen zeigen die damaligen Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen. Es wird erzählt, welche Gefahren auf Reisen drohten oder was auf den Konventen getrunken und gespeist wurde.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Bund und dem Kaiser führte 1546/47 schlussendlich zum Schmalkaldischen Krieg, der mit einer Niederlage und der Auflösung des Bundes endete. Dass Schmalkalden als „Ort der üblen Ketzerei“ nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde, ist der Fürbitte des letzten Henneberger Grafen Georg Ernst zu danken. Im Krieg hatte er das Leben des Kurfürsten Moritz von Sachsen gerettet, dieser erwirkte die Rettung Schmalkaldens bei Karl V.

 

 

Fachwerk-Juwel

Das Zentrum von Schmalkalden wurde in den letzten Jahren wieder herausgeputzt. Hinter den ehemals grauen Fassaden kam ein fast vollständig erhaltenes Fachwerkstädtchen aus dem 15./16. Jahrhundert zum Vorschein. Heute zählt es zu den besonders sehenswerten Orten entlang der „Deutschen Fachwerkstraße“. Vor wenigen Jahren öffnete das Otto-Müller-Museum seine Pforten in einem renovierten Ständerfachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert. Das alte Gebäude bietet einen reizvollen Kontrast zu den ausgestellten Bildern der Moderne. Wer sich für die Bausubstanz eines Ständerfachwerkhauses im Detail interessiert, dem sei das Fachwerkerlebnishaus empfohlen, das individuell oder mit Führung für Familien besichtigt werden kann. Aus einem der ältesten Häuser in Ständerbauweise wurde nach der Sanierung ein Fachwerkerlebnishaus, das individuell oder mit Führung besichtigt werden kann.

 

 

Auf Luthers Spuren pilgern

Auf den Spuren Luthers kann man von Schmalkalden bis Tambach-Dietharz auf einer Etappe des Luther-Wanderwegs wandern und den „Lutherbrunnen“ im Tammichgrund besuchen, dessen Wasser der Legende nach Luther von seinem Nierenleiden heilte. Entlang des Teilstücks des bekannten Thüringer Lutherweges hat der Evangelische Kirchenkreis Schmalkalden Stationsschilder angebracht, welche zum Besinnen anregen sollen. Liederauszüge, Sprüche und Zitate des Reformators Martin Luther befinden sich auf kleinen Tafeln und geben immer wieder neue Ansätze das Leben zu betrachten und darüber nachzudenken.  Ab Schmalkalden bis Tambach-Dietharz ist etwa die Hälfte der eigentlich 32 km langen Etappe gut zu erwandern, mit dem öffentlichen Nahverkehr geht es anschließend zurück zum Ausgangsort in Schmalkalden.

 

 

Wer gern zum Ausgangspunkt zurückwandern möchte, wählt die Rundwanderung des Besinnungsweges. Auf dieser Tageswanderung von ca. 18 km können auch die Kirchen in Schmalkalden, Seligenthal und Floh besichtigt werden. Auch hier regen thematische Stationsschilder mit Luther Zitaten und Liedern zum Nachdenken an und führen Sie entlang des Weges. Auch für Kinder und Jugendliche bietet der Besinnungsweg besondere Attraktionen: Macht man einen kurzen Abstecher in die Lichtblickkirche Asbach können Kinder von dort aus eine Art Suchspiel mit Tieren währen der Wanderung machen. 

Wer sich nach einem Besuch des Schloss Wilhelmsburg die Beine vertreten möchte, kann die umgebende Natur und die historische Altstadt in einer etwa anderthalbstündigen Rundwanderung “Um die Wilhelmsburg” erkunden.

Text: © LEIKA Kommunikation: Ute Lieschke, Johanna Brause / Tourist-Information Schmalkalden: Severine Köllner

 

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