Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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Fachwerk und Schieferbau

Rustikale Fachwerkhäuser prägen das Bild vieler kleiner Orte in Südthüringen. Typisch an den Fachwerkhäusern im fränkisch-hennebergischen Baustil sind die geschwungenen, meist verzierten Fachwerkkreuze, auch Andreaskreuze genannt, welche nicht nur Bürgerhäuser, sondern auch Wirtschaftsgebäude, Amtssitze und Ratshäuser zieren.

Beliebt waren die reizvollen Fachwerkbauten jedoch nicht zu jeder Zeit. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen ließ im 18. Jahrhundert die meisten Fachwerkhäuser in Meiningen verputzen, um der Hauptstadt ein repräsentatives Aussehen zu verleihen. In den letzten Jahrzehnten wurden die grauen Putzschichten entfernt und das farbenprächtige, teils verzierte Fachwerk wieder freigelegt und rekonstruiert. Erhalten ist eine Fülle unterschiedlichster Gebäude vom 15. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Als die ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser gelten das „Büchnersche Hinterhaus“ und die „Alte Posthalterei“. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden im Zuge einer Wiederentdeckung des Fachwerks weitere reich verzierte Häuser, die heute als Hotel Gäste beherbergen wie das „Henneberger Haus“, der „Rautenkranz“ oder das „Schlundhaus“.

 

Übernachtungs- und Gastronomie-Tipps im Fachwerk-Ambiente in Meiningen

 

© Dominik Ketz
© Dominik Ketz

Auch das Zentrum von Schmalkalden wurde in den letzten Jahren wieder herausgeputzt. Hinter den ehemals grauen Fassaden kam ein fast vollständig erhaltenes Fachwerkstädtchen aus dem 15./16. Jahrhundert zum Vorschein. Heute zählt es zu den besonders sehenswerten Orten entlang der „Deutschen Fachwerkstraße“. Vor wenigen Jahren öffnete das Otto-Müller-Museum seine Pforten in einem renovierten Ständerfachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert. Das alte Gebäude bietet einen reizvollen Kontrast zu den ausgestellten Bildern der Moderne. Wer sich für die Bausubstanz eines Ständerfachwerkhauses im Detail interessiert, dem sei das Fachwerkerlebnishaus empfohlen, das individuell oder mit Führung für Familien besichtigt werden kann. Aus einem der ältesten Häuser in Ständerbauweise wurde nach der Sanierung ein Fachwerkerlebnishaus, das individuell oder mit Führung besichtigt werden kann.

Als besonderes Schmuckstück präsentiert sich in Schmalkalden außerdem eine Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Hochofenanlage, welches heute ein technisches Museum beheimatet. Wer eine entsprechende Übernachtungsmöglichkeit zwischen historischen Balken sucht, findet im Zentrum gelegenen Fachwerkhaus „Zum Grünen Tor“ aus dem 16. Jahrhundert eine hervorragende Adresse.

 

Übernachtungs- und Gastronomie-Tipps in Schmalkalden

 

Fachwerkhaus mit Wäscheleine | © Dominik Ketz
Lutherhaus Schmalkalden | © Dominik Ketz

Einige alte Häuser haben sich nicht zuletzt wegen ihrer einst berühmten Bewohner als Museen erhalten. Das Lutherhaus in Eisenach, in dem Martin Luther seine Schulzeit um 1500 verbrachte, gehört zu den ältesten Fachwerkhäusern Thüringens. Ebenso bildet ein 500 Jahre altes Fachwerkhaus mit idyllischem Barockgarten den Kern des Bachhauses Eisenach, das mittlerweile durch einen Neubau erweitert wurde. Bei seiner Gründung nahm man an, dass Johann Sebastian Bach hier geboren wurde. Drei historisch eingerichtete Räume spiegeln die Wohnsituation der damaligen Zeit wider. Malerisch gelegen zeigt sich auch das Fröbelmuseum in Oberweißbach mit seinem 400 Jahre alten Fachwerk, das dem „Begründer des Kindergartens“ huldigt und sich auch der Kräutertradition der Region widmet. In Wechmar, dem Ort von Bachs Urahnen, wurden sowohl das Bach-Stammhaus im typischen Stil mit „Thüringer Leiter“ saniert sowie die Veit-Bach-Mühle mit originaler Thüringer Bohlenstube.

 

Wie bereits zur Zeit des Jugendstiles, erlebt das Fachwerk derzeit eine Renaissance. Neben der aufwendigen Rekonstruktion und Sanierung vieler Gebäude, entstehen moderne Häuser aus Holzkonstruktionen in Thüringen.

 

© Dominik Ketz

Im Thüringer Schiefergebirge nutzten die Erbauer der Fachwerkhäuser zusätzlich den blau schimmernden Rohstoff ihrer Umgebung, um durch die Verkleidung ihren Häusern noch mehr Schutz vor Wind und Wetter zu bieten. Das Städtchen Steinach war zudem einst der größte Griffellieferant weltweit, anschaulich vermittelt diese Historie das Deutsche Schiefermuseum. Die Zeit der einfachen Schiefergriffel, mit denen jedes Kind vor hundert Jahren die ersten Buchstaben auf seine Schultafel schrieb, ist längst vorbei. Doch die vielen kleinen Orte gerade in den Berglagen des Thüringer Waldes zeigen sich noch immer in traditionell typischer Schieferverkleidung. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zudem die Fachwerkbauweise und das „blaue Gold“ als Zierelemente wiederentdeckt. In dieser Zeit entstanden besonders repräsentativ gestaltete Bürgerhäuser mit zweifarbigem Schiefer und kunstvollen Fachwerkelementen: „Am Bahnhof“ in Steinach ebenso wie die vollständig mit Schiefer verkleidete Holzkirche in Neuhaus am Rennweg. In Lehesten wurde noch bis 2009 Schiefer abgebaut, heute kann man dort im Schieferpark während einer Führung durch das „Denkmal Historischer Schieferbergbau“ in die jahrhundertelange Geschichte der Schiefergewinnung eintauchen.

 

Übernachtungs- und Gastronomie-Tipps in den urigen Schieferhäuschen des Thüringer Waldes

©LEIKA Kommunikation / Ute Lieschke, Johanna Brause