Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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Metall-Handwerk

© KeinECKMedia

Es dröhnt, raucht, glüht und brodelt noch heute in den Gießereien und Schmieden von Ohrdruf, Wurzbach, Schmalkalden und Zella-Mehlis. Hephaistos, der griechische Gott der Schmiedekunst, hätte seine Freude an den sprühenden Funken und dem glühenden Eisen gehabt. Dort, wo früher hart gearbeitet wurde, kann man heute in Schauvorführungen zuschauen, wie einst Hämmer geschmiedet oder Eisen gegossen wurde. 

Den Meistern der Schmiedekunst über die Schulter schauen kann man hervorragend im Metallhandwerksmuseum in Steinbach-Hallenberg: Im denkmalgeschützten Fachwerkhaus des Museums kann man in die unterschiedlichsten Handwerksbereiche Einblick erhalten: die Herstellung von Korkenziehern und Nägeln wird in Schauvorführungen gezeigt und man kann sich sogar selbst in Schmieden probieren.

Zu den ältesten technischen Denkmälern gehört der „Tobiashammer“, der seinen Namen von seinem ersten Besitzer Tobias Albrecht vor 500 Jahren erhielt. Einmal im Jahr wird das Schaumuseum von Künstlern und Gestaltern übernommen. Während des Metallgestaltersymposiums entstehen unter den Fallhämmern Blätter, Seerosen und abstrakte Werke, die mittlerweile die idyllische Anlage rund um die Schmiede zieren. Der „Tobiashammer“ zeigt sich in allen Teilen beeindruckend, vier große Wasserräder treiben die fünf überdimensionalen Fallhämmer, Walz- und Pochwerk an.

Giganten bietet auch die deutlich jüngere Gesenkschmiede in Zella-Mehlis, die 16 t schwere und 4 Meter große Gesenkhämmer zu bieten hat. In der Gesenkschmiede Zella-Mehlis ist einer der ältesten Brettfallhämmer Deutschlands zu bestaunen und in Aktion zu erleben. Hier kann man mehr zu den historischen Schmiedeverfahren erlernen und auch die traditionelle Wasserkraftnutzung dazu mit einem funktionstüchtigen Wasserrad und einer Turbine werden erklärt. In der Gesenkschmiede Zella-Mehlis werden zudem Messer-Schmiedekurse für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten, in denen man bereits am ersten Tag mit dem Schmieden des eigenen Küchen-, Jagd- oder Trachtenmessers beginnt.

 

 

Doch bevor früher überhaupt geschmiedet werden konnte, mussten die einheimischen Eisenerze zu Roheisen verhüttet werden. Diesen Prozess der Verhüttung kann man im „Museum Neue Hütte“ in Schmalkalden in verschiedenen Ausstellungsteilen nachvollziehen. Auch von außen lohnt sich ein Blick auf das technische Denkmal. Die Erbauer griffen den alten Fachwerkstil des Ortes im 19. Jahrhundert auf, die mit einem 9,60 Meter hohen Hochofen ausgestattete "Neue Hütte" verkörperte beim Bau 1835 den neuesten Stand der Hüttentechnologie auf Holzkohlebasis.

 

Auch in Wurzbach in der Giesserei Heinrichhütte wird bis heute glühendes Eisen und Aluminium in Formen gegossen. Besucher können den Alltag eines Gießers in der original erhaltenen Gießhalle aus dem Jahre 1729 erleben und beim Schaugießen dabei sein, wie das auf 660°C erhitzte Aluminium in die vorgesehenen Sandbetten gegossen wird. Auch das Starten der 15.000 PS starken Dampfmaschine ist ein Erlebnis. Ein liebevoll gestaltetes Kleinod ist außerdem die Ausstellung gusseiserner Öfen und Kaminplatten aus verschiedenen Jahrhunderten. Wer möchte, kann in der Heinrichshütte auch hier gegossene Artikel von der Hausnummer bis zur Gartenbank erwerben.

Für Eisenbahn-Fans ist eine Führung durch das Dampflokwerk Meiningen ein Muss: Es gilt als das einzige Werk der Deutschen Bahn AG in der Bundesrepublik, das noch heute das Know How und die Technik besitzt, historische Dampfloks zu reparieren. Auch die Instandhaltung von Schmalspurlokomotiven, sowie von Privat- und Museumsbahnen gehören zum Leistungsspektrum.

Beeindruckend ist es, wenn sich die Dampflock auf der Strecke der Rennsteigbahn zwischen Ilmenau, dem Bahnhof Rennsteig und Schleusingen schnaufend und pfeifend durch den Thüringer Wald schiebt. Die Dampflock fährt nur an ausgewählten Tagen, legt aber zwischen Stützerbach und dem Bahnhof Rennsteig eine der steilsten Eisenbahnstrecken Deutschlands zurück, Steigung bis zu 61 Prozent! 

Auch die Thüringer Bergbahn legt beeindruckende Steigungen im malerischen Schwarzatal zurück: Die Standseilbahn, welche die Talstation am Haltepunkt Obstfelderschmiede mit der Bergstation Lichtenhain verbindet, ist mit einer Spurweite von 1800 Millimetern die einzige breitspurige Seilbahn Deutschlands und überwindet mit einer nahezu konstanten Steigung von 1:4 einen Höhenunterschied von 323 Metern.

© LEIKA Kommunikation: Ute Lieschke, Johanna Brause / Regionalverbund Thüringer Wald e.V.