Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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Spielzeugland Sonneberg – wichtigste Werkstatt des Weihnachtsmanns um 1900

Wiege des gläsernen Christbaumschmucks und Werkstatt des Weihnachtsmannes

Die „Thüringer Kirmes“ ist das Herzstück des Sonneberger Spielzeugmuseums. 67 lebensgroßen Figuren vollführen in einem Wanderzirkus Kunststücke, handeln an einem Marktstand mit Obst, fahren Karussell und setzen Puppenteile in einer Puppenmacherwerkstatt zusammen. 1910 wurde die Marktszene auf der Weltausstellung in Brüssel mit dem „Grand Prix“ prämiert. Das Ausstellungsstück sollte die Superlative des Spielzeuglandes Sonneberg in alle Welt tragen. 

Mit 40 Prozent der deutschen Spielwarenproduktion und 20 Prozent der Weltproduktion wurde Sonneberg 1913 zur „Weltspielzeugstadt“. Die Nachfrage an Sonneberger Spielwaren war Ende des 19. Jahrhunderts rasant gestiegen und fand durch das raffiniert ausgebaute System der „Verleger“ reißenden Absatz auf dem Weltmarkt. Nach wir vor wurde ein Großteil in Heimarbeit hergestellt. Um 1900 zählte man über 2000 Kleinstmanufakturen in der Region, darunter zahlreiche im Ort Judenbach. 

 

Puppen aller Art wurden zum Exportschlager. Bis zum 18. Jahrhundert noch aus Holz gedrechselt, suchte man nach einem formbaren Werkstoff, um kleine Details besser darstellen zu können. Eine Art Brotteig sollte die Lösung sein, doch der neue Werkstoff aus Schwarzmehl und Leimwasser zeigte schnell einen entscheidenden Nachteil. Auf den Transportwegen knabberten Mäuse die Püppchen an und Nässe weichte die Figuren auf, kurz, die Produkte hielten nicht lange. Den wirklichen Durchbruch brachte ab 1815 das Papiermaché, vor allem, weil man den Werkstoff in Formen drücken und Spielzeug somit in Serie produzieren konnte. Durch ein Holzfeuer wurde der Werkstoff getrocknet und haltbar gemacht. Während Familien mit ihren Kindern unter ärmlichsten Bedingungen zuhause Puppenteile, Bauernhoftiere und Karnevalsmasken „drückten“, wurden die Erfindungen auf dem Weltmarkt immer gewagter. 

Der Sonneberger Kaufmann Edmund Lindner entdeckte auf einer Weltausstellung in London eine chinesische Gliederpuppe, verfeinerte die Idee zuhause und kreierte 1851 den „Sonneberger Täufling“. Mit Babygesicht, beweglichen Gliedern, Hemdchen und Bettchen ausgestattet war die erste Babypuppe der Welt geboren! Eine Innovation in vielerlei Hinsicht, denn bis dahin zeigten Puppen meist erwachsene Damen en miniatur. Auch die ersten Badepuppen aus Wachs und Puppen mit drehbaren Gesichtern kann man im reich bestückten Sonneberger Spielzeugmuseum bewundern. Armand Marseille, unter Puppensammlern ein bekannter Name, begann Ende des 19. Jahrhunderts in seinen Sonneberger Fabriken Puppenköpfe aus feinstem Bisquitporzellan herzustellen, 100 Köpfe pro Tag.

Ab den 1920er Jahren etablierte sich ebenfalls die Herstellung von Teddybären, die mit den „Martin Bären“ bis heute in Sonneberg präsent ist. Noch immer werden dort die knuffigen Plüschtierklassiker in Handarbeit gestopft oder neue Modelle individuell designt. Wer möchte, kann auch das angeschlossene Teddybärmuseum besuchen oder vor Ort seinen eigenen Teddy stopfen und zum Leben erwecken. Mit eingenähtem Herz und Brummstimme, die übrigens bis heute bei Karl-Stimmen nahe Sonneberg produziert werden, könnte es klappen.  

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Deutsches Teddybärenmuseum

 

Zu DDR-Zeiten lieferte das Kombinat „VEB sonni Sonneberg“ in Spitzenzeiten täglich bis zu 10.000 Puppen und 6.000 Plüschtiere sowie elektromechanisches Spielzeug und Modelleisenbahnen in alle Welt. Hier knüpfte nach der Wiedervereinigung die privatisierte Firma PIKO an, die bei Modelleisenbahnfans noch immer Kultstatus besitzt. Ob Dampflok oder ICE, PIKO produziert weiterhin moderne und historische Modelleisenbahnen für kleine und große Eisenbahnliebhaber und jede Art von maßstabgerechtem Zubehör.  

Puppen und Plüschtiere werden heutzutage nicht mehr am Fließband hergestellt, sondern hier besann man sich auf hochwertige Handarbeit in kleinen Stückzahlen. Die bekannte Schildkröt-Marke übernahm nach der Wende in Raunstein eine ehemalige Puppenfabrik. Dort erfolgt jeder Herstellungsschritt per Hand, vom Nähen und Stopfen der Gliedmaßen, über das Fabrizieren der Puppenkleider und das Anknüpfen der Haare bis hin zum individuellen Frisieren. Den Puppenmacherinnen und -machern kann man sogar vor Ort direkt bei der Arbeit zuschauen und die Manufaktur besichtigen oder im Werksverkauf stöbern. 

Auch Biene-Puppen werden in Sonneberg von einer gelernten Spielzeugdesignerin hergestellt, die ihnen ein keckes Aussehen verleiht. Etwas ganz Besonderes sind die Zwergnase-Puppen von Nicole Marschollek-Menzner. Mit Echthaarperücken und Glasaugen aus Lauscha scheint jeder dieser Künstlerpuppen ein eigenes, fast menschliches Wesen innezuwohnen.  

Schauen Sie in der Sonneberger Werkstatt des Weihnachtsmanns vorbei und entdecken Sie ganz einzigartige Geschenkideen! 

Text: ©Leika Kommunikation / Ute Lieschke, Johanna Brause