Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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2000 Lauschaer Kugeln für die Queen

Aus dem Thüringer Wald zu den Royals von Großbritanien

© Dominik Ketz

Vor Schloss Windsor stand zu Weihnachten 2016 ein außergewöhnlich schön geschmückter Weihnachtsbaum. Gespendet wurde die Nordmanntanne von Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha, einem fernen Verwandten der Queen. Doch nicht nur der stattliche Baum war besonders weit aus Coburg angereist, sondern auch der Christbaumschmuck. Die wertvolle Ware kam aus dem benachbarten Landkreis Sonneberg in Thüringen, genauer aus Lauscha. In kunstvoller Handarbeit hatten dort Schüler der Berufsfachschule für Glas über mehrere Monate 2000 mundgeblasene goldene Glaskugeln mit einem Durchmesser von 20 cm hergestellt. Jede einzelne Kugel wurde mit zwei Stempeln versehen, einmal mit dem Wappen des fränkischen Coburg und einmal mit dem Wappen des thüringischen Landkreises Sonneberg. Gekrönt wurde die hochgewachsene Tanne aus Coburg vor Schloss Windsor mit einer 90 cm hohen Spitze, ebenfalls aus mundgeblasenem Lauschaer Glas.

Der Impuls zu dieser Idee kam von der Queen selbst. In ihrer traditionsreichen Weihnachtsansprache 2015 hatte sie darauf verwiesen, dass ihr Ururgroßvater Albert von Sachsen-Coburg und Gotha die Tradition des Weihnachtsbaumes aus Deutschland nach England gebracht hatte. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts. Schon Jahrzehnte vorher hatte das ernestinische Haus Sachsen-Coburg und Gotha bzw. Saalfeld durch geschickte Heiratspolitik seinen politischen Einfluss nach England ausgeweitet. Auch die Mutter von Queen Viktoria stammte aus dem Hause Coburg und man kann vermuten, dass auch sie weihnachtliche Traditionen aus Deutschland mitbrachte. Nachdem Viktoria mit nur 18 Jahren zur Queen von Großbritannien gekrönt worden war, arrangierte man kurze Zeit später eine Heirat mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg. Für die junge Queen bedeutete die Hochzeit 1840 das pure Glück, wie sie in ihrem Tagebuch vermerkte. Von da an unterstützte sie der Prinz, wo er konnte, sowohl bei Regierungsgeschäften als auch in der wachsenden Familie. Zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit gehörte das Schmücken des königlichen Weihnachtsbaumes in Windsor. Wie er ausgesehen haben mag, vermittelt eine kolorierte Zeichnung von 1848 in „The Illustrated London News“. Dort ist die königliche Familie mit ihren Kindern unter einem mit Kerzen erleuchteten Weihnachtsbaum zu sehen. Der Tannenbaum im Topf ist mit allerlei glänzenden Dingen geschmückt: verschiedene Obstkörbchen und Baumbehänge aller Art, darunter glänzende rote und goldene Kugeln. Werden dies vielleicht bereits Christbaumkugeln von den Lauschaer Glasbläsern gewesen sein? Ab 1850 verbreitete sich der Brauch des Weihnachtsbaumes in England, die Nachfrage an Tannenbäumen wuchs schnell. Ganz sicher werden auch mundgeblasene Kugeln aus Lauscha zahlreiche Bäume im Vereinigten Königreich geschmückt haben.

© LEIKA Kommunikation / Ute Lieschke, Johanna Brause