Aktivregion Rennsteig im Thüringer Wald

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Aus der Vogelperspektive

Ein Tag bei der Flugschule am Dolmar

Das Gefühl des Fliegens, das Gefühl der Freiheit über den Wolken kennt Anton Schlütter seit Kindesbeinen an. Zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder leitet er die Flugschule Dolmar bei Meiningen, bildet Flugschüler aus und bietet Rundflüge über den Thüringer Wald und die Rhön an. Mit viel Fingerspitzengefühl hat das Trio jüngst neue Übernachtungsmöglichkeiten im Hangar geschaffen und plant zudem den Ausbau des Wohnmobilstellplatzes. Schritt für Schritt wird das touristische Angebot ausgebaut – ganz bodenständig, ohne abzuheben. 

Sorgfältig checkt Anton Schlütter das Trike, eine Art motorisiertes Dreirad mit Segel. Er streicht die Flügel entlang, tastet den Propeller ab, um eventuellen Beschädigungen auszuschließen, in absoluter Ruhe und Gelassenheit vor dem Start. Die Sicherheit ist unglaublich wichtig beim Fliegen. „Wenn im Auto eine Delle ist, fährt es immer noch gerade aus. Aber beim Trike können schon leichte Dellen das Flugverhalten beeinflussen“, erklärt er. 

 

 

Anton und sein Bruder Lorenz waren sehr jung, als sie zum ersten Mal geflogen sind. „Da waren wir noch im Bauch unserer Mutter. Das Fliegen ist uns in die Wiege gelegt worden. Wir sind hier groß geworden“, sagt er und blickt über das weite Gelände der Flugschule Dolmar. Die Sonne geht gerade unter, Anton und die Anlage strahlen im sanften Licht. Es ist ein ganz Flair, zwischen Hangar und Tower, teuren Sportgeräten und selbstgekochter Soljanka, die die Piloten gleich neben dem Rollfeld verspeisen, zwischen Abheben und Ankommen. 

Lange Tradition

Auf dem Dolmar hat der Flugsport Tradition. Nach der ersten Segelflugveranstaltung im Jahr 1927 entwickelte sich der Berg bei Meiningen zu einem beliebten Segelflugstandort, nicht zuletzt wegen der günstigen thermischen Bedingungen. Der Einweihung der Flughalle im September 1933 folgte die Gründung der Dolmar-Fluggemeinschaft, die während der DDR ihre Aktivitäten einstellen musste. Weil die innerdeutsche Grenze zu nah war, wurde der Segelflug 1967 untersagt. Fortan nutzte die sowjetische Armee das Gelände als Truppenübungsplatz. 

Bis zum Mauerfall. Und bis Jürgen Schlütter, der Vater von Anton und Lorenz, das Gelände für sich entdeckte und dessen Potenzial erkannte. Der Würzburger mit Wurzeln in Zella-Mehlis war schon als Student vom Fliegen – zunächst im unmotorisierten Drachenflieger, später im Ultraleichtflugzeug – begeistert und gründete die Flugschule Dolmar. Der erste Schritt: Aus der recht hügeligen Landschaft musste eine 400 Meter lange Start- und Landebahn werden. Wegen ihrer Neigung gilt sie durchaus als anspruchsvoll und verlangt Piloten volle Konzentration ab. „Es ist die perfekte Übung für die Schüler, denn im Notfall muss man überall runter“, sagt Anton. 

Element Luft

Seit Kindesbeinen an fasziniert ihn das Element Luft. Er begleitete den Vater in die Flugschule und bei vielen Flügen. Mit elf Jahren entdeckte er das Skispringen, die Weitenjagd von der Schanze, für sich. Als Teenager wechselte er auf das Sportgymnasium im nahegelegenen Oberhof, war nach dem Schulabschluss Sportsoldat und schaffte es zu immerhin drei Weltcup-Einsätzen in der Nordischen Kombination. Erst im Frühjahr 2020 beendete er seine aktive Karriere und konzentriert sich seitdem auf die Flugschule. „Das ist kein Beruf, sondern meine Leidenschaft.“ 

Es war der Plan, dass er und sein Bruder in die Flugschule einsteigen und Piloten ausbilden. Später, in ein paar Jahren. Als ihr Vater bei einem Flugunglück im Sommer 2017 ums Leben kam, standen sie früher als erhofft vor der Frage, ob sie die Flugschule weiterführen können und wollen. Anton kannte nur eine Antwort. „Sie aufzugeben, stand nie zur Debatte. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns in die Firma eingefunden haben, aber jetzt sind wir angekommen.“ 

Der ehemalige Profisportler wird von seiner Ehefrau Janine unterstützt. Die ausgebildete Hotel- und Restaurantfachfrau ist das Bodenpersonal, kümmert sich um alle anfallenden Aufgaben, wenn Anton in der Luft ist, inklusive Funkverkehr. An den Wochenenden und in den Semesterferien kommt auch Lorenz dazu, der aktuell Sonderpädagogik studiert. Das Ziel des Trios: Dem Vater ein Denkmal setzen, die Erinnerung an ihn wach halten. „Wir sind stolz darauf, was er uns mitgegeben hat. Und wir geben alles dafür, dass es so bleibt“, sagt Anton, voller Stolz und in Gedanken, was der Vater ihnen mit auf den Weg gegeben hat: Bescheiden sein, auf dem Boden bleiben. 

 

 

Wo Rundflüge starten

In der Flugschule legen Piloten auf Geschäfts- oder Privatreise einen kurzen Zwischenstopp ein. Hier lernen Schüler das Fliegen. Und hier starten Rundflüge zwischen dem Thüringer Wald und der Rhön, mit dichten Baumbeständen und weiten Fernen, mit einzigartigen Naturhöhepunkten und imposanten Sehenswürdigkeiten wie dem Schloss Landsberg bei Meinigen, die Talsperren oder die berühmten Sportstätten rund um Oberhof, buchbar für 20 bis 90 Minuten im Ultraleichtflugzeug oder im Trike. „Die meisten Gäste haben ihre Heimat noch nie aus der Vogelperspektive erlebt und wünschen sich, über ihr Haus oder ihren Ort zu fliegen. Für sie ist das ein besonderer Moment. Und genau diese Emotionen treiben mich an“, sagt Anton. 

 

 

Je nach Fluggerät nehmen die Besucher neben oder hinter dem Piloten Platz, rollen auf die Startbahn und heben ab, um die Umgebung aus einer Flughöhe von gut 800 Metern Höhe zu sehen. Das ist am frühen Vormittag möglich oder am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht und die Landschaft in ein atemberaubendes Lichtkleid hüllt. Oder immer dann, wenn die Bedingungen – der Wind und die Thermik – passen. „Darauf achten wir ganz genau, denn wir tragen eine große Verantwortung“, betont Janine, die sich gerade selbst zur Pilotin ausbilden lässt. 

Neue Übernachtungsmöglichkeiten

Wer nach dem Erlebnis noch nicht genug hat und das Treiben auf dem Flugplatz beobachten möchte, kann in den Gästezimmern im Hauptgebäude, in der Blockhütte, die bis zu zwölf Gästen Platz bietet oder in einem der vier Zimmer im neuen Hangar übernachten, der erst vor Kurzem eröffnet wurde. Der vorhandene Stellplatz für Wohnmobile, mit Blick über den Thüringer Wald und die Rhön, soll in Zukunft mit Strom und Entsorgungsmöglichkeiten ausgebaut werden und Campern zusätzlichen Service bieten.

 

 

Das Trio will ein lohnendes Ziel für Jedermann sein. „Bei uns ist jeder willkommen: Flugschüler und Piloten, aber auch Radfahrer und Wanderer oder Familien mit Kindern, die Flugzeuge beim Starten und Landen beobachten möchten“, sagt Janine Schlütter. Und der Ausflug lohnt sich: So nah kommt man dem Traum vom Fliegen nirgends im Thüringer Wald.