Naturregion Biosphäre im Thüringer Wald

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Die schönsten Wintererlebnisse am Rennsteig

Intensive Naturerfahrungen in menschenleeren Wäldern

Im Winter verwandelt sich der Rennsteig in eine Märchenlandschaft: Nebel wabern, Schneeflocken tanzen und frische, klare Luft füllt die Lungen. Früher waren Winterwanderungen auf Deutschlands beliebtestem Wanderweg nur mit Langlaufskiern oder Schneeschuhen möglich. Heute finden auch Winterwanderer am Rennsteig beste Bedingungen für erholsame Urlaubstage.

© Antje Zimmermann

170 Kilometer durch den Thüringer Wald

Bereits im Mittelalter gingen Händler auf dem Weg, der mitten durch den Thüringer Wald führt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1330. Und weil es die Menschen damals meistens eilig hatten, bekam die Route den Namen: Rennsteig. So wird die Geschichte zumindest gerne erzählt. Zwischen Mai und September wandern viele sportliche Urlauber die gesamte Strecke. In den Wintermonaten werden die Etappen kürzer, die Naturerlebnisse aber umso intensiver. Denn die Wanderer sind fast allein im Wald. Hören den Wind durch die Fichten rauschen. Und spüren wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut. Gerade in der kalten Jahreszeit ist Bewegung an der frischen Luft eine Wohltat. Lediglich ein bisschen mehr Vorbereitung ist im Winter erforderlich: Die Schuhe müssen rutschfest, die Kleidung warm und wasserdicht sein und dann kann es losgehen auf Deutschlands schönstem Wanderweg.

© Christian Heilwagen

Geschichtsträchtige Plätze am Rennsteig 

Heute konzipieren Marketingstrategen Wanderwege so, dass sie zu den wichtigsten Touristenattraktionen einer Region führen – die historische Routenführung des Rennsteigs war hingegen auf Schnelligkeit ausgelegt. Wer zu den Sehenswürdigkeiten im Thüringer Wald möchte, muss deshalb kleine Schlaufen laufen oder Abstecher vom Fernwanderweg machen. Der Schneekopf, der zweithöchste Berg des Thüringer Waldes, lohnt definitiv den kleinen Umweg.

© Hans Herbig

Aufstieg durch das Teufelsmoor

Kein Geräusch ist zu hören. Die Hand vor Augen kaum zu sehen. Der Aufstieg zum Schneekopf ist kurz; an nebligen Wintertagen kann er aber zum Abenteuer werden. Vom Parkplatz des Schneekopfes führt ein 1,2 Kilometer langer Walderlebnispfad auf den Gipfel des Berges – entlang eines großen Hochmoores: den sogenannten „Teufelskreisen“. Denn der Sage nach badet der Teufel an dem geheimnisvollen Ort. In jedem Hochmoor gibt es Vertiefungen, in denen sich Wasser sammelt. Am Schneekopf sind diese Stellen besonders tief und unergründlich. Und in diese dunklen Abgründe stürzt sich der Teufel des Nächtens, um sich von den Höllenfeuern zu erfrischen. Auch wenn vermutlich noch kein Wanderer Beelzebub persönlich beim Baden beobachtet hat – das Hochmoor wirkt geheimnisvoll und übernatürliche Begegnungen scheinen durchaus möglich.

© Antje Zimmermann

Früheres Sperrgebiet rund um den Schneekopf

Zu DDR-Zeiten durfte der Schneekopf nicht betreten werden. Er war militärisches Sperrgebiet und für Bürger der Deutschen Demokratischen Republik tabu: Stacheldraht, Mauern und Wachposten zerstückelten und verkürzten damals den Rennsteig auf 116 Kilometer. Erst seit der Wiedervereinigung können Wanderer wieder die gesamten 170 Kilometer laufen. Und seit 1990 hat sich der Schneekopf erneut zum beliebten Ausflugsziel entwickelt. Auf der Spitze stehen heute ein großer Aussichtsturm und gleich daneben eine urige Gaststube.

© Paul Hentschel Photography

Wenn das Wetter mitspielt, bietet der Aussichtsturm eine fantastische Fernsicht: auf dichte Wälder und kleine Ortschaften im Thüringer Becken und im Harz. Richtung Süden kommt Bayern ins Blickfeld. 

Es kann aber durchaus vorkommen, dass Wanderer im Winter durch die Panoramascheiben des Turms nur eine weißgraue Wand sehen. Aber selbst, wenn dichte Schwaden rund um den 1.001 Meter hohen Aussichtsturm wabern und es kaum etwas zu sehen gibt, ist der Besuch auf dem Schneekopf ein Erlebnis. 

© Paul Hentschel Photography

Schimmernde Schneekopfkugeln

Unmittelbar neben dem Turm liegt die Neue Gehlberger Hütte. In ihr können sich Wanderer stärken und gleich im Eingangsbereich eine kleine geologische Sensation bewundern: die Schneekopfkugeln. Die kugelförmigen Steine liegen in einer großen Vitrine und sind in der Mitte durchgeschnitten: so tritt ihr in schimmerndes Inneres zu Tage. Lila, rosa und mahagonifarben – Quarz ist für das vielfarbige Leuchten des Gesteins verantwortlich. Entstanden sind die Schneekopfkugeln vor 250 Millionen Jahren durch Gasblasen in der Lava. Sie kommen zwar nicht nur in Thüringen vor, verdanken ihren Namen aber dem hauptsächlichen Fundort.

© Susen Reuter

Die Neue Gehlberger Hütte

Dann schwingt die Tür der Gaststube auf. Warme Luft und Kaffeeduft strömen heraus. Winterwanderer haben es sich am Holztisch neben dem großen Kachelofen gemütlich gemacht. Wer sich gegen den Ofen lehnt, hat in Sekunden einen wunderbar warmen Rücken. Wie viele Gaststuben im Thüringer Wald bietet auch die Neue Gehlberger Hütte eine urige Atmosphäre und gute, landestypische Gerichte zu sehr moderaten Preisen. 

© Susen Reuter

Gestärkt können die Ausflügler dann zur nächsten Sehenswürdigkeit am Rennsteig aufbrechen, die nur rund neun Kilometer entfernt liegt: der Rennsteig Bahnhof. 1904 erbaut, ist er einer der höchstgelegenen Bahnhöfe in Thüringen und ein besonders nostalgischer Ort auf dem Fernwanderweg.

© Paul Hentschel Photography

Der Rennsteig Bahnhof

Die Kulisse ist wunderbar altmodisch: Auf den Gleisen stehen historische Waggons. Rotgolden leuchten kleine Tischlampen in dem altertümlichen Speisewagen. „Thüringen“ steht in altdeutscher Schrift an einem hölzernen Güterwaggon, daneben prangt die Jahreszahl „1897“. Gerade im Winter, wenn er menschenleer ist, erinnert der Ort an den berühmten Orient Express.

© Susen Reuter

Die Stille ist ganz intensiv und fast unwirklich. Wer auf die große Bahnhofsuhr achtet, hört höchstens das geräuschvolle Voranschreiten des Minutenzeigers. 

© Dominik Ketz

1998 hat die Deutsche Bahn den Zugverkehr zum Rennsteig eingestellt. Heute befindet sich die Rennsteigbahn in Privatbesitz. Die Betreiber haben den historischen Bahnhof mit Unterstützung der „Dampfbahnfreunde mittlerer Rennsteig e.V.“ aufwendig wiederhergerichtet: mit Säulen und Gebäuden aus dem ehemaligen Erfurter Hauptbahnhof. In der nostalgischen Kulisse befindet sich auch ein „Thüringer Waldlokal“ mit regionalen Spezialitäten.

Schnaufende Dampflok 

Wer Glück hat – oder seine Reise in den Thüringer Wald entsprechend plant – erlebt, wie sich eine alte Dampflok schnaufend dem Rennsteig Bahnhof nähert. Der zischende Dampf vermischt sich dabei mit den Nebeln und wieder einmal kommt ein Gefühl der Märchenhaftigkeit auf. Die Sonderfahrten der Dampflok finden allerdings nur sporadisch statt. Mittlerweile gibt es aber wieder einen regulären Zugverkehr – an Wochenenden und Feiertagen bringt die Süd-Thüringen Bahn Wanderer zum Bahnhof Rennsteig. Einen schöneren Einstieg in Deutschlands ältesten Fernwanderweg gibt es vermutlich nicht.

© Adrian Seeber

 


 

Die Autorin

Reisejournalistin und Bloggerin Antje Zimmermann hat den winterlichen Rennsteig besucht und stellt auf ihrem Blog weltenkundler.com ihre persönlichen Highlights vor.

 

#WaldDerRekorde

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