Kulturregion Wartburg im Thüringer Wald

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Glasbläserkunst Lauscha

Die Wiege des gläsernen Christbaumschmucks

Sand, Soda, Pottasche und eine Menge Herzblut verschmelzen bei rund 1500 Grad im Ofen zu Glas, bevor sie im traditionellen Handwerk der Glasbläserkunst zu filigranen Kostbarkeiten geformt werden.  Die nahezu unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten sowie der Zauber des alten Handwerks, das einem Spiel mit dem Feuer gleicht, verzaubert gerade aufgrund seiner Einfachheit Jeden.

Im Thüringer Wald wird seit dem 12. Jahrhundert Glas hergestellt, das kleine Thüringer Bergdörfchen Lauscha lebt seit mehr als 400 Jahren vom Glas. In der Farbglashütte kann man den Glasmachern direkt bei der Arbeit zusehen, wie sie geschmolzenes Glas bis zu 90 Meter lang ziehen, um die für das kunstvolle Handwerk der Lampenglasbläserei benötigten Röhren und Stäbe zu fertigen. Hier und in den zahlreichen Familienbetrieben der Glasbläser der Region kann man das filigrane Handwerk unmittelbar erleben und bestaunen.
Das Glasbläserhandwerk, wie es in Lauscha ausgeübt wird, ist in seiner Qualität und Vielfalt unverwechselbar. Und es ist die Wiege einer ganz besonderen Kostbarkeit. Die erste Christbaumkugel, wie sie heute an den Weihnachtsbäumen in aller Welt hängt, wurde um 1848 im kleinen Lauscha erfunden und trat von hier aus ihren Siegeszug um die Welt an. Ein armer Glasbläser, so sagt es die Legende, hatte kein Geld für teure Äpfel und Nüsse und imitierte zunächst Früchte aus Glas, bis sich daraus schließlich die Kugel entwickelte. Der Lauschaer Christbaumschmuck war schnell ein Verkaufsschlager in aller Welt. Auch heute noch sind die Manufaktur-Produkte gefragt: 2016 wurde sogar das englische Königshaus mit Christbaumschmuck aus Lauscha beliefert. 
Heute können die mundgeblasenen, verspiegelten und kunstvoll verzierten Unikate das ganze Jahr über in der Region um Lauscha erworben werden. Einblick in die Historie der Glasherstellung gibt das Museum für Glaskunst in der Farbglashütte. Hier kann man sich auch selbst daran versuchen, einmal eine in den verschiedensten Farben schillernde Kugel zu blasen oder die mundgeblasenen Tiere von filigranen Pinguinen bis zu furchteinflößenden Drachen zu entdecken. 

Eine weitere Besonderheit der regionalen Glasherstellung wird hier außerdem fortgeführt: Die ersten in Lauscha hergestellten Gläser zeichneten sich durch eine dezente Grünfärbung und viele eingeschlossene Luftbläschen aus. Der Farbton ergab sich aus dem hohen Eisenanteil des Thüringer Glases, die kleinen Bläschen entstanden durch den Schmelzprozess mit Holzfeuer – das Thüringer Waldglas. Noch heute wird Glas mit dieser besonderen Rezeptur hergestellt und in einer eleganten Gläser-Serie am Leben gehalten. 

© LEIKA Kommunikation: Ute Lieschke, Johanna Brause / Regionalverbund Thüringer Wald e.V.